Samstag, 9. Februar 2013

am Ende der Welt

Man sagt, hier im Süden läge das Ende der Welt. Doch endet die Welt nicht überall, egal an welchem Punkt man sich befindet? Endet sie überhaupt, wo sie doch rund ist und nicht enden kann? Und doch, in Patagonien beschleicht mich das Gefühl, dass Etwas dran sein könnte, an diesem Gerücht. Das weite offene Land, unüberschaubar für den Betrachter, fließt ins Unendliche, wo der Horizont ins Meer zu stürzen scheint oder sich an die steilen Berghänge der Anden schmiegt, welche wiederum in die Fjorde auslaufen. El Fin del Mundo, das Ende der Welt. Nur das Eis und die Kälte der Antarktis liegen noch südlicher. Es ist ein einzigartiger Zauber, den dieser Landstrich auf mich ausübt. Man kann den Blick nicht von dieser Leere wenden, wenn über hunderte Kilometer kein einziges Zeichen einer Zivilisation zu sehen ist.


An der Küste, in Puerto Madryn, gab es allerdings noch Zivilisation. Es war sogar ausgesprochen touristisch hier und ich habe als erstes eine Seeelefantenkolonie besucht. Sehr nah kann man hier an die Tiere heran, wenn man erstmal den steilen, sandigen Hang herunter geklettert ist. Die Bullen und Weibchen sind bereits abgewandert, nur die moppeligen Junglinge verweilen um diese Jahreszeit und duellieren sich im jugendlichen Übermut.


Vorsichtig haben wir uns heran geschlichen, bis uns die kleine Gruppe mit ihren riesigen schwarzen Knopfaugen verwundert angeguckt hat. Und man muss automatisch schmunzeln. Niedliche kleine Kerlchen. Unschuldige Blicke in dieser rauen Natur.


Ich habe in Argentiniens populärster Hafenstadt auch endlich meine Reisebegleitung getroffen. Julia und ich, hatten uns im November am Machu Picchu kennen gelernt und uns hier wiedergefunden, um für ein paar Tage zusammen zu Reisen. So wurde etwas Leckeres gekocht und viel erzählt und ein Plan für die weitere Route geschmiedet. Dann ging es zu den Delfinen. Schließlich wird eine Garantie von 99% gegeben, dass man sie ganz sicher findet in der Bucht.
Wir waren die 1% Ausnahme! Zu viel Wind, zu hohe Wellen, keine Sicht. Aber wir durften ohne Aufpreis noch einen Versuch starten, also gingen wir 2 Tag später bei fast Windstille und Sonnenschein wieder aufs Boot; und siehe da, bereits nach 20 Minuten ging der Spaß auch schon los.


Eine riesige Schule von Dusky Dolphins schwamm, sprang und surfte neben, vor und hinter dem Boot mit einem Speed, der Kamera teils ins Leere klicken lies. Wohoo! Sogar Saltos haben die Männchen gemacht um die Weibchen in der Gruppe zu beeindrucken. Genial! Es waren so viele; so viele von diesen wundervollen Tieren auf einmal. Ich kann nicht mal sagen warum, aber Delfine machen glücklich, auch mich, es ist unbeschreiblich! 

Mit diesem perfekten Erlebnis, ging es mit 2 stündiger Verspätung unseres Busses nach El Calafate zum Los Glaciares Nationalpark. Das war eine Busfahrt von gut 20 Stunden, die sich zu zweit als recht erträglich heraus gestellt hat. Ist ja nicht so, dass man sich die Zeit vertreiben kann, weil es viel zu Sehen gibt.





La Tierra Infinita geht, wie der Name vermuten lässt, weiter und weiter und weiter. Nur Staub, dürres Gras und zwischendrin Sträucher. Diese sind allerdings ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr da, und es fühlt sich an, als betrachte man ein unfertiges Gemälde. Irgendwann ist dann auch das Gras weg von der Bildfläche und selbst wenn es unwahrscheinlich erscheint, wartet man auf den Moment, wo schlussendlich auch der Sand verschwindet.

Das passiert natürlich nicht, der trockene Boden geht in festes Gestein und schließlich in die raue Bergwelt der Anden über, wo tatsächlich irgendwann sogar wieder Bäume stehen und Gletscherseen, mit ihrem milchig-grau trüben Wasser die Steppe unterbrechen. Und dann ein Haus, mehr Häuser, Schafe, Pferde und wir hatten El Calafate erreicht. Es sah allerdings aus wie im Norden Europas, die Häuser so gar nicht spanisch!

Ein Hostel war schnell gefunden und am Folgetag ging es auch gleich zum Perito Moreno, dem größten der Gletscher hier im Nationalpark. Was für Eismassen sich da die Berge herunter schieben, begreift man erst, wenn man vor der meterhohen Eiswand steht und es Knacken und Krachen hört. Der Gletscher arbeitet die ganze Zeit und der Schall trägt die Töne durch die Spalten im Eis nach außen. Wie ein sommerliches Gewitter knallt und donnert es anschließend, wenn die Eisbrocken träge vom Gletscher abbrechen und in den See stürzen. Hammer!


Auch wie der Gletscher zusammenläuft oben an den Berghängen ist faszinierend. Konstant schweben Wolken über den höchsten sichtbaren Punkt und lassen die weiße gefrorene Masse mit neuem Schnee wachsen. Auch wir hatten etwas Schnee, allerdings bei 20° und Sonne. Da musste ich gleich mal die Gelegenheit ergreifen und ein paar Bilder mit meinem Maskottchen machen, welches seit Weihnachten mit mir auf Reisen ist. Die anderen Besucher lachten: ein Eisbär so nah am Südpol, das geht doch nicht! ;) Tja meiner kann‘s doch, der darf sogar mit in die Karibik und Down Under! :D


Nach einem faulen Tag mit Stadtbummel und organisatorischen Krims-Krams erledigen, haben wir für den Folgetag noch eine Schifffahrt zu den beiden anderen Gletschern gebucht. Wenn auch teuer, war es uns die türkisblauen Eismassen wert. Inmitten durch die Eisbergfelder vor den Gletschern zu gondeln ist ein Erlebnis. Nochmals eine riesige Wand voller Spalten und Furchen im blau schiller Eis zu Gesicht zu bekommen. Die Natur so hautnah, so erbarmungslos, so lebensfeindlich und so majestätisch zugleich.


Der Tag hatte dann noch eine Überraschung für uns bereit. Nach den guten Neuigkeiten, dass ich bereits nach 24h mein Work&Holiday-Visa für Australien im Postfach hatte, fluchte unser niederländischer Zimmergenosse über seine vielen ‚Mückenstiche‘. Wir guckten uns an. Mücken? Nö, haben wir hier noch Keine gesehen. Er zeigte uns das Elend an überdimensionalen feuerroten Bissen, und mir dämmerte es. Oh Shit! Bettwanzen!

Um eine Freundin zu zitieren: „Igitt igitt, bäh, pfui, brrr, ekel, schrei!“ Ich hätte es nicht besser formulieren können. Diese Viecher sind einfach nur widerlich! Unser werter Zimmergenosse hat sich in Grund und Boden geschämt, dabei konnte er gar nichts dafür. Er hatte sie unwissend in seinem Schlaf-Inlay direkt aus Uruguay eingeführt und vermutlich nicht nur ein oder zwei Individuen mitgebracht, sondern ein ganzes Nest. Und da krabbelten sie, an den Wänden, auf dem Kopfkissen und Lacken! Klein, schwarz, fies und voller Blut. Super, die Nacht war dahin, der Schlaf durch Flucht aus den Betten unterbrochen. Unsere einzige Waffe, Licht! Und wir versuchten mit den uns gegeben Mitteln die Tierchen vom Einzug in unser Gepäck abzuhalten. Was auch hoffentlich geklappt hat, bisher hab ich noch nix wieder gesehen.


Nach diesem etwas untypischen Reiseerlebnis ging es für mich wieder allein weiter und ich lies auch Argentinien hinter mir. Kurz vor Puerto Natales überquerte ich die chilenische Grenze und war am südlichsten Punkt meiner Südamerikareise angekommen. Und ja, irgendwie ist es anders in Chile. Wenn es auch zu Patagonien gehört, hebt sich Chile doch von Argentinien ab. Der Stil der Häuser ist sehr eigen, man kann es mit nichts vergleichen, die Menschen sind etwas weniger aufgeschlossen, sprechen dafür aber fast alle englisch. In den Hostels ist es teurer, dafür das Frühstück besser, es wird kein Mate-Tee getrunken und irgendwie ist der allgemeine Lebensstandard mit dem in Europa vergleichbar. Chile selbst, ist auf eine andere Art sehr schön; weniger flach, und mehr Vulkane, besitzt das schmale Land; sowohl die trockenste Wüste als auch riesige Gletscher.

Mit einem Tag der Rast und Vorbereitung auf meinen ersten längeren Trekk, ging es am Folgetag früh mit dem Bus zum Parkeingang der Torres del Paine, dem Wanderparadies Chiles. Drei Tage hatte ich mir im sogenannten W vorgenommen und zusammen mit einem Schweden haben wir am ersten Tag direkt die Türme in Angriff genommen. Nach 3 Stunden steilem Aufstieg, bei welchem ich mehrfach erwähnte, dass dies wohl nicht nur mein erster, sondern auch mein letzter Trekk sein würde, erreichten wir das Refugio, wo uns unser Zelt bereits erwartete. Dann ging es weniger bepackt nochmals 3 Stunden in Richtung der Torres. Leider waren Diese vollkommen in Wolken verhüllt, so dass wir bis auf ein paar Umrandungen nichts sehen konnten. Wir haben es auch nicht bis ganz hoch geschafft, was zugegebener Weise nicht an unserer Ausdauer lag (von welcher selbst ich recht beeindruckt war), sondern dem Umstand der herannahenden Nacht unterzuschieben ist. Wir mussten umkehren, denn bei Dunkelheit im Nationalpark herumirren erschien uns bei den dortigen Wegverhältnissen, der einem Hürdenlauf gleichkommen könnte, als eine eher unausgereifte Idee. Also ging es innerhalb von 2 Stunden wieder zurück über Stock, und Stein.



Am nächsten Tag waren die Torres natürlich frei, aber wir mussten weiter. Das Wetter war sogar recht gut. Über wilde Wiesen entlang des Steilhanges wanderten wir talwärts Richtung See. Es ging hoch und runter, wieder über Felsen, Brücken und Bäche und die Füße trugen mich, trotz ständig abfeuernden Schmerzimpulse, weiter und weiter. Und nach einer gewissen Zeit erfreut man sich sogar am Laufen, vor allem wenn man die hohen Berge erreicht, die erhaben und stolz über die Landschaft zu wachen scheinen.


Es ist sehenswert, dieser Ort, wo der Andenkondor seine Bahnen zieht und die Wolken, wie in Zeitlupe an den Bergkuppen hängen bleiben, bevor der Wind sie wegträgt. Lange verweilen meine Blicke an jenen Wolken. Wie erinnern mich an meine eigene Reise und ein Lächeln legt sich auf meine Lippen.


Ein großes Lob muss ich an dieser Stelle mal meinem Rucksack aussprechen. Alle Last war beim Wandern komfortabel auf Hüfte und Rücken verteilt, so dass die Schultern wirklich nichts tragen mussten. Nix tat weh. Das schafft nicht mal mein kleiner Tagesrucksack. Also: gut gemacht Deva60 von Gregory.


Im nächsten Camp angekommen, nach 7 langen Stunden des Laufens, haben wir unser Abendbrot auf dem kleinen Campingkocher zubereitet und sind nach einer nötigen Dusche Schlafen gegangen. Schließlich hieß es 5:30Uhr aufstehen, damit wir noch das French Valley schaffen. Es lagen gut 8-10 Stunden wandern vor uns. Womit wir wirklich nicht gerechnet haben, war ein Sturm mit Ausmaßen, eines gefühlten Hurrikane. Der Tag begann bereits mit dem Bangen, dass uns das Zelt wegwedelt, gefolgt von ständigen seitlichen ‚Regen‘. Der Wind hob das Wasser vom See auf und wirbelte es durch die Luft. Ich habe so etwas noch nie erlebt, meine Sonnenbrille auch nicht. Die war nach kurzer Zeit weg, zerschmettert am Fels und irgendwo in die Büsche geflogen. Mist! Danach wäre ich fast an der Reihe gewesen. Wirklich, ungelogen, ich habe mich mehrmals an den Ästen der Bäume festgeklammert. Trotzdem bin ich tapfer den Weg bis zum nächsten Refugio gestolpert und habe versucht dem Wind zu trotzen.


Das French Valley war natürlich nicht passierbar, und der Ranger schickte uns weiter. Ich war jetzt nicht ganz so traurig darüber, fing es auch noch wie aus Eimern an zu schütten und innerhalb von 10 Minuten fühlte ich mich wie ein Fisch im Wasser. Nein, nicht glücklich - Nass! Also ging es nochmals 2 Stunden durch verbrannte Wälder und Flüsse, bis ich schließlich dankbar den Katamaran erreichte, der mich zurück in die Zivilisation brachte.


Und das Bizarre: Nach 3 Tagen, gut 29km über 800 Höhenmeter und 21 Stunden laufend, mit gepackten Rucksack, bei Wetterverhältnissen, die gegensätzlicher nicht hätten sein können, und Füßen, welche absterben wollten, muss sagen; ich würde es wieder tun! Ich war so stolz. Trotz Asthma und ohne Training oder Erfahrung, bin ich durch Chiles raue Natur gestapft und ich fühlte mich kaputt wie lange nicht mehr, aber ich hatte es geschafft! WOOT!




Der letzte Tag in Puerto Natales verlief dann recht ruhig, denn bis auf einige organisatorische Sachen, musste ich nur das Gepäck auf dem Schiff einchecken und mir eine neue Sonnenbrille besorgen. Spät am Abend ging es dann auf die Navimag-Fähre, die mich entlang der chilenischen Fjorde nach Puerto Montt bringen sollte.


Ich war so aufgeregt, 4 Tage lang mal nichts tun, nur die einzigartige Umgebung genießen und die Seele ein wenig baumeln lassen. So hatte ich mir das vorgestellt. Es ging auch direkt los mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer im Schatten der Wolkenverhangenen Anden. Danach bin ich ins Schiff-Dorm eingezogen, was soviel heißt wie: die Backpacker in der low-budget Kategorie dürfen im Vorhang-Doppelbett auf dem Gang schlafen; was wirklich mehr Spaß macht, als man es sich vielleicht vorstellen mag. 


Die Tage an Bord waren sehr erholsam und schön. Ich habe Seelöwen im Wasser springen, einen Krillschwarm rot schillernd im Wasser treiben und Albatrosse über die Wellen gleiten sehen und auch wenn wir am ersten Tag Regen hatten, gab es in der Ferne Delfine. Den sonnigen zweiten Tag, habe ich fast nur auf dem Deck verbracht und die Landschaft aufgesogen. Ich habe mich mit anderen Reisenden ausgetauscht und sogar Seemannsknoten gelernt; auch Dokumentarfilme gab es im Unterhaltungsprogramm und ein altes Wrack mitten im Kanalsystem der Fjorde. Meiner Liebe zum Lesen habe ich ebenso freien Lauf gelassen und bin im ‚Clockwork Prince‘ und ‚City of Fallen Angels‘ versumpft und Buch nach Buch verschlungen.


Der Tag endete schließlich mit dem Highlight schlechthin. Ein Zwergwal schwamm neben der Fähre für ca. 3 Minuten und ist gut fünf mal Luft-ausstoßend aufgetaucht. Toll mitten im abendlichen feuerrotem Sonnenuntergang. Traumhaft schön das offene Meer, so unendlich wie Patagonien selbst.


Die Fjorde sind auf ihre sehr einsame Art faszinierend. Die Wolken hängen tief in den bewaldeten Inseln und untermalen die wilde Natur. Hier wohnt keiner, das Leben darf in Ruhe verweilen. Und es verwundert mich nicht, dass ich beim ersten Karaoke in meinem Leben das für mich passende Lied zum Singen gefunden hatte. ‚Life is a Flower'...
Ich befinde mich immer noch auf dem Schiff, während ich diese Zeilen schreibe und blicke auf die Weite der Bergwelt Chiles, die nun im Hintergrund von Vulkanen untermalt wird. Vielleicht lässt sich ja doch noch ein Orca oder Blauwal blicken, man darf bis ans Ende hoffen.


Heute Abend ist Abschiedsfeier, was mit Bingo beginnt und Tanzen endet, und für mich in doppelter Hinsicht ein neuen Wegepunkt in meiner Reise darstellt, geht nicht nur die Fahrt auf dem Schiff dem Ende entgegen, sondern auch meine Zeit in Südamerika. In 4 Tagen verlasse ich den Kontinent von Santiago de Chile aus und reise weiter in die Karibik. Ich muss sagen, am Ende ist mir vor allem Patagonien sehr ans Herz gewachsen. So wild, so voller Leben und doch irgendwie einsam, wirkt dieses unendliche Land. Die Natur lässt sich hier nicht vom Mensch bezwingen, weder die Gletscher, noch die Anden, der Wind oder die trockenen Steppen - sie alle bestehen, erhaben, über eine Zeit jenseits der Geschichte, wie sie in den Büchern zu finden ist. Und vielleicht ist es genau das; das Auslaufen der Zivilisation, das uralte Spiel der Elemente und der Beginn des Eismeeres, welches letztendlich in deren Zusammentreffen, doch das Ende der Welt markiert.



Freitag, 25. Januar 2013

La Tierra Infinita


Die Reise geht weiter, oder so, war der Plan, nur leider fehlte genau Dieser, als ich vollkommen übermüdet in Buenos Aires gelandet war. Eine ganze Nacht ohne Schlaf; im Auto, am Flughafen, im Flugzeug - nun weiß ich was Folter ist. Darum brauchte es einige Stunden, um jenes Fragezeichen‚ wo es denn nun als erstes hin und weiter geht einigermaßen mit einer Antwort zu stillen, und in eine Route, durch das von Inflation gestrafte Land, umzuwandeln.


Schon beim ersten Ziel merkte ich, dass sich in Argentinien Schwierigkeiten ergeben würden, aufgrund der enormen Distanzen und dem wenig ausgebauten touristischen Netz. Ohne Frage, Busse fahren hier schon von Stadt zu Stadt, aber das war es dann auch schon. Und die sehenswerten Dinge liegen meist außerhalb der Zivilisation im absoluten Nirgendwo und sind ohne eigenes Auto nur schwer zu erreichen. In Neuquèn habe ich es dennoch unter mehreren Stunden des hin und her Fahrens im Stadtbus geschafft zu den Dinosauriermuseen zu gelangen; die Ausgrabungsstätte blieb mir leider verwehrt. Mietwagen und geführte Tour unbezahlbar. Argentinien ist ein teures Pflaster!


Aber immerhin durfte ich die Knochen des größten Sauropoden und des größten Raubsaurier den die Welt je erlebt hatte, zu Gesicht bekommen. Ein Zahn so lang wie meine Hand; Glück für mich im Hier und Jetzt zu leben und statt Wegrennen, den versteinerten Überresten der einstigen dominanten Spezies auf der Nase herum tanzen zu können. Und das meine ich wörtlich. Man stolpert förmlich über Fossilien die überall auf dem Boden herum liegen oder in den Felsen stecken. Ich war wirklich fasziniert. Beweise, für eine Ära an Riesenviechern, die eins auf dem selben Boden wie ich gerade umher gelaufen sind. Paläontologen geht hier das Herz auf.


Danach wurde mein Hauptaugenmerkt erstmal auf ein wenig Wanderungen gelegt, war ich doch östlich der Anden im ‚Alpengebiet‘ Argentiniens gelandet. Sah zumindest genau so aus. Ob San Martin de los Andes, La Angostura oder Bariloche, das Stadtbild ähnelte einem sommerlichen Skigebiet in Österreich. Schneebedeckte Berggipfel, Wälder die deren Täler und Hänge schmücken sowie klare, teils türkisblaue Bergseen und Flüsse. Fehlte nur noch die Kuh mit Glocke um den Hals, und selbst diese spazierte irgendwann aus dem Gestrüpp hervor. Auch die Häuser, ähneln Jenen aus Europa, hier hat gewiss der ein oder andere Auswanderer mitgemischt.


Also wanderte ich Tag ein Tag aus, zu Wasserfällen, entlegenen Stränden, durch saftig grüne Wälder und steinige Gipfel. Wobei ich gestehen muss, dass es nie sehr lange Wege waren. Es war einfach zu heiß dafür. 40° Plus, ich bin zerlaufen. Dabei Kilometer gut machen? - nie und nimmer. Darum endeten meine Ausflüge auch stets an den klirrekalten Gewässern zur Erfrischung. Ab einem gewissen Hitzegrad ist es nämlich vollkommen egal, dass das Wasser nur ca. 15 Grad hat, es erscheint wie eine Oase in der brütenden Hitze.


Die Restmüdigkeit von Deutschland wurde beim herum schlendern in den Nationalparks auch besiegelt und kostengünstig ist es allemal. Patagonien ist Argentiniens Goldesel, die Preise verleiten zu Ausflügen per Fuß und locken so ziemlich jeden Backpacker an den Hostelherd zurück. Also wird nun wieder selbst gekocht, was angesichts des guten Supermarktangebots recht gut klappt. Es gibt sogar Spinattortellini, was braucht man mehr?  ;)


Und dann kam Junin de los Andes. Ein kleiner verschlafener Ort nahe des Lanin Nationalparks. Die Distanz war kurz und die Neugierde groß, also habe ich ein Busticket gekauft und in Junin Freunde besucht. Außerhalb der Stadt, umgeben von Natur und Getier wurde ich von Esteban - Hufschmied und Pferdetrainer - sowie seiner Freundin Sandra, herzlich willkommen geheißen. In Spanisch wohlgemerkt, was bedeutete ich musste die Fremdsprache sprechen, mir war keine Wahl gegeben. Also traktierte ich mein Gehirn von früh bis spät nach Vokabeln und Grammatik und wurde, zu aller Überraschung, tatsächlich verstanden.


Es war ein wenig anders, als umher zu Reisen und doch so schön. Mit Haus, Hof und Garten; Koppel, Stall und Round-Pen; sowie Hund, Pferd und Kaninchen, waren die Tage so entspannend wie lange nicht mehr. Argentinien ist hier noch Pferdeland, das Criollo der ganze Stolz der Gauchos und Traditionen werden gepflegt trotz des Tourismus.



Drum schmerzte der Abschied ein wenig, musste ich schon wieder Freunde zurücklassen und allein weiter.
Ich verstehe nun, warum so Mancher hier länger verweilen, ja, es sogar Europa vorziehen würde. Es scheint, als würde aller Stress der Welt mit den langen sonnigen Tagen verblassen und durch die geselligen Menschen, Alltagsprobleme einen verschwindend geringen Teil ausmachen.


Die ruhige Lebensart in Junin hatte mir sichtlich gut getan und nach 3 Tagen Anlauf auf den schneebedeckten Vulkan im Nationalpark Lanin - einst Mapuche-Indianer Land - durfte ich endlich auch die sonst in Wolken gehüllte schneebedeckte Spitze bestaunen. Wunderschön, was für ein Mächtiger Berg.












Ich habe im Übrigen 3 Dinge bei den Argentiniern festgestellt, (neben einigen sprachlichen Besonderheiten) die sie deutlich vom Rest Südamerikas abheben. 
1. einfach Jeder ist freundlich und aufgeschlossen Fremden gegenüber und möchte sich gern unterhalten
2. Abendbrot wird nicht vor 23-24 Uhr gegessen
3. ungefähr die Hälfte spricht auch Englisch, und genau die Anderen 50% sitzen in den Touristeninformationen


Im untersten touristischen Ferienort im Westen Patagoniens, habe ich, nachdem ich entlang der traumhaften 7 Lakes – Route fuhr, eine letzte Wanderung gemacht, und neben einem Wasserfall auch riesige Bäume bestaunen können. So hoch wie ein Hochhaus oder weiter, ich kann es nicht sagen. Auch einen kleinen Stadtbummel hab ich mir gegönnt, bevor ich zur Ostküste des Landes aufgebrochen bin und die mit grünen Mischwäldern bewachsenen Anden urplötzlich in eine tellerflache und karge Steppe übergingen.


Und hier lernt man es kennen, „La Tierra Infinita“, das unendliche Land Patagoniens. Hier ist nichts. Für hunderte an Kilometern nur staubige Erde, Sträucher und dürres Gras - nichts weiter. Keine Berge, keine Seen, keine Bäume. Eine Steppe mit vereinzelten Guanakos, Nandus und Füchsen. Auch Maras und Gürteltiere sollen hier leben, aber von Artenreichtum ist wenig zu sehen. So würde Afrika ohne Tiere aussehen, eine traurige Vorstellungen und doch so faszinierend, diese Landschaft. Halb Himmel, halb Erde und nichts dazwischen, nur Weite die man mit dem Auge nicht erfassen kann, so sehr man sich auch Mühe zu geben vermag.


Surreal, diese flachen Ebenen, gespenstisch und doch so majestätisch. Ein Nichts in jede Richtung, bis man die Küste erreicht, wo entlang dieser einsamen Gegend hohe Wellen die Stille brechen. Es ist wild hier, dieses Argentinien und es schenkt den Tieren des Meeres ein ruhiges Dasein. Verschiedene Meeressäuger, Vogelarten und Robben leben hier Jahr ein, Jahr aus in dieser Unberührtheit. Und weit abgelegen im absoluten Nirgendwo namens Puerto Deseado habe ich unter teuren Hotelkosten die Insel der seltenen südlichen Rockhopper-Pinguine besuchen dürfen. Umgeben von diversen Seevögeln leben hier auch Magellan-Pinguine zu Hauf, welche den alten Leuchtturm und die Überreste der einstigen Robbenfabrik zum perfekten Nistplatz umfunktioniert haben und aus den Fenstern der Ruine zum Meer hinaus schauen.


Und Kormorane gibt es, grau und schwarz-weiß, fast wie die Pinguine. Generell scheint diese Farbkombo unter den hiesigen Meerestieren im Trend zu sein, ja man meint fast sie war im Angebot, selbst die Delfine sind schwarz-weiß.


Nur die Mähnenrobben fallen mit ihrer braunen Farbe aus dem Schema. Fast wie Löwen, brüllen sich die riesigen Männchen gegenseitig an und erheben ihren Anspruch auf die viel kleineren Weibchen. So toll! Das Rauschen des Ozeans im Hintergrund verleiht dem ganzen etwas von einem Dokumentarfilm.


Ja, die Küste ist auf ihre Art sehr eindrucksvoll, selbst hier gibt es Fossilen. Jede Insel, jedes Ufer enthält versteinerte Knochen oder Schalentiere. Es ist toll, und mir gefällt es, so sehr, dass ich noch ein wenig länger verweilen möchte. Ushuaia ist sowieso unerschwinglich und so gern ich auch Feuerland gesehen hätte, bekomme ich trotz, dass die Glattwale gen Antarktis gezogen, und die Orcas sich noch nicht blicken lassen, in Puerto Madryn so viel mehr von Patagoniens Tierwelt zu sehen, dass ich nicht umhin komme, noch diesen ‚kleinen‘ Abstecher zu machen, bevor ich zu noch zivilisationsferneren Orten im tiefen Süden aufbreche.




Por mis amigos Sandra y Esteban

Muchas gracias por los dias bonitos. Me gusto mucho. Yo espero que nos encontramos en el futuro – aqui en Argentina o Alemania. Abrazos y besos de su amiga alemana Franzi

Dienstag, 8. Januar 2013

♫ I'm driving home for christmas ♪

#Von Reisen aus fernen Ländern komm ich her, und ich muss euch sagen, es weihnachtete sehr # 

    




Da war es, das erste Zeichen, dass Weihnachten auch an Südamerika nicht spurlos vorbei geht. In Salta stand sie nämlich, die glitzernde Weihnachtsbaumattrappe ummalt von Palmen auf der Plaza vor der rosafarbenen Kirche. Bei ca. 35 Grad im Schatten nur schwer vorzustellen, dass die heimliche Zeit angebrochen war, in welcher Wichtel den Liebsten kleine Geschenke machen.










Natürlich, um nach Salta zu gelangen, musste ich wieder eine Grenze überqueren. Von Bolivien nach Argentinien, und diese Aktion hatte ‚Fail‘ in den leuchtenden Buchstaben über sich geschrieben. Ich stand 2 geschlagene Stunden mit schwerem Rucksack in der Nachmittagssonne und dabei war es nicht mal eine lange Schlange vor dem Immigrationsfenster. Die Bolivianer schlafen vermutlich beim Stempelvorgang; anders kann ich es mir nicht erklären. In Argentinien hat es nämlich nur 2 Minuten gedauert. Dadurch war, wie sollte es anders sein, mein Bus ohne mich abgefahren. Nach einer Diskussion in gebrochenem Spanisch und meiner Weigerung nochmal ein teures Busticket zu zahlen, wurde ich kostenlos in den Bummelbus gesetzt, in fester Hoffnung am richtigen Ort anzukommen. War irgendwie nicht der Fall, denn der Bus wurde so oft nach Drogen durchsucht, dass schließlich auch der Anschlussbus abgefahren war und ich im Nirgendwo stand. Ich weiß nicht, wie bemitleidenswert ich ausgeschaut habe, aber ein Student sprach mit an, seine Eltern im Schlepptau und meinte ich könne die kurze Nacht bis zum nächsten Bus in seinem Haus schlafen. Das hab ich dann getan und ich dachte mir so: die Argentinier sind wirklich sehr freundlich. :)

    

Auch das Land selbst sah trotz ähnlicher Landschaften so viel anders aus als Bolivien. Richtige Häuser und Bars, deutlich mehr Autos und ausgebaute Straßen. Dann stiegen auch noch echte Gaugos zu und ich muss sagen, deren Trachten sind schon schick. Ja hier gefällt es mir. Auch konnte ich mir endlich stolz auf die Schulter klopfen, denn ich hatte in Salta meine erste längere Konversation in Spanisch. So langsam klappt’s. Der Aufenthalt war dennoch nur kurz, schließlich war ich auf der Durchreise nach Iguazu. Für den Besuch der Inkamumien hat es allerdings gerade noch gereicht.

   
 Die Fahrt zu einem weiteren der 7 neuen Weltwundern war lang. Fast einen ganzen Tag verbrachte ich im Schlummerbus. Und was ich hätte vermuten können, aber nie drüber nachgedacht hatte: Iguazu liegt dort, wo es verdammt tropisch ist im Sommer. Ich habe mich nie wirklich gefragt wo man alles schwitzen kann, aber nun weiß ich es und kann sogar Mengenangaben in Litern machen. Oh man, es war brutwarm, die Sachen klebten am Körper und meilenweit kein kühles Lüftchen. Wie in Trance bin ich zum ersten Hostel in Sichtweite gestolpert und habe die wichtigste aller Fragen gestellt: ‚Haben sie einen Pool?‘
Das ‚Ja‘ hab ich vermutlich nur unterbewusst wahrgenommen, denn zwischen gestellter Frage und Eintauchen ins kühle Nass, verweilen keine Erinnerungen mehr. Naja wobei kühl ist hier auch relativ, es war so warm, dass selbst der Pool badewannentemperatur hatte.




Natürlich, wo es schwül ist, leben Mücken und so wurde ich trotz allen Sprays als Blutbank ‚to go‘ genutzt. Aber dies vermiest die Laune nicht, wenn man am Folgetag Wasserfälle von solch Schönheit bewundern darf, dass es spontane Glücksrufe hervor kitzelt.

    

Es war atemraubend! Wie versteinert, steht man vor dem gewaltigen Teufelswasserfall und die Kinnlade will sich einfach nicht schließen. So gewaltig, so riesig, so erbarmungslos, reißen literweise Wassermassen in die Tiefe. Und man sieht nicht mal wohin, denn Nebel steigt dort auf wo die tosenden Fluten ins Nichts stürzen. Wow. Es war so wunderschön, und laut und nass. Was nicht schlimm war angesichts der Außensauna.

    

Aber der Nationalpark von Iguazu hat natürlich nicht nur einen Wasserfall. Nein es sind so unglaublich viele und es schaut aus wie im Paradies. Mitten im tropischen Regelwald strömen Wasserfälle wie Treppen über die Felsen. Man hört das Rauschen des Wassers und das Zwitschern der Vögel, die hoch oben in den saftig grünen Baumspitzen sitzen. Gelegentlich kreuzt ein Waran oder Nasenbär den Weg und überall flattern kunterbunte Schmetterlinge um einen herum. Ich glaub, ich bin 6 Stunden lang umhergelaufen, bis ich abschließend noch die kleine Bootsfahrt gemacht habe. Es heißt man fährt ganz nah an die Wasserfälle heran, oder naja wie in unserem Fall mitten hinein. Ahhhah! Nasser war nicht mehr möglich... Hehe, genial und irgendwie auch praktisch gleich noch eine Abkühlung zu bekommen, wenn auch der Busfahrer auf der Rückfahrt nicht ganz so glücklich war, als ich klatschnass eingestiegen bin. Mmm, konnte ich ja nix für. ;)

    

Am nächsten Tag öffnete sich dann die Himmelspforte als wolle sie neckisch sagen: ‚Du hattest gestern so viel Spaß…‘ Es goss und goss und goss, als wolle der Regen die Wasserfälle in den Schatten stellen. In ganz Iguazu war Stromausfall, so sehr schwamm die Stadt.

    

Und dann war es so weit, jaaa, die Route wurde geändert! Und die große Überraschung die ich vielleicht im Hinterkopf schon lange geplant, aber der ich bis zum Schluss gegeben hatte, sich zu manifestieren, war daran Form anzunehmen. So ging es anstatt nach Buenos Aires, nach Sao Paulo, Brasilien, zum Flieger.

♫ so viel Heimlichkeit, in der Weihnachtszeit... ♪

Wie verbringt man die Feiertage, wenn man allein durch ein fremdes Land reist? Vermutlich entweder im SPA-Bereich eines behobenerem Hotels mit sich selbst oder man bucht spontan einen Flug in die Heimat und steht einfach mal ohne Vorankündigung vor der Tür! Hehe. Überraschung gelungen, alle irgendwie sprachlos.

    

Und dabei hätte ich fast den Flieger verpasst, da der Shuttle im Stau stecken geblieben war. Weihnachtsverkehr im sonnigen Sao Paulo sollte man nicht unterschätzen.
Ich war dort auch das erste Mal wieder im Kino, und man kann berechtigt sagen, dass dies nicht so einfach war, wie es vielleicht klingen mag. In Sao Paulo war es nämlich wie am ersten Tag in Buenos Aires. Ich hab keine Sau verstanden, die Säue haben mich nicht verstanden, denn eine Mischung aus Englisch und Spanisch klingt dem Portugiesisch nicht wirklich ähnlich. Aber die Brasilianer sind ein sehr hilfsbereites Völkchen und ich habe mich irgendwie mit Händen und Füßen durchgefitzt. Ich war recht überrascht, wie gelassen ich mittlerweile in Großstädten bin. Ob nun U-Bahn fahren in einer mir völlig fremden Umgebung oder ohne die Sprache zu können mich von einem Ort zum Nächsten per Fuß den Weg durchfragen…, alles kein Problem mehr. Wobei ich übrigens festgestellt habe, dass viele Einwohner ihre eigene Stadt nicht kennen. Wenn man auch wirklich am Ziel ankommen will, sollte man nach dem Mehrheitsprinzip immer 3-4 verschiedene Quellen in Anspruch nehmen, teilweise wird man sonst in die falsche Richtung navigiert.

    

Schlussendlich saß ich dann doch im Flugzeug nach Berlin, wenn ich auch das Gleiche nicht von meinem Gepäck behaupten kann. Das verweilte noch eine Nacht länger in Paris. Sowas klappte besser in den Entwicklungsländern; unglaublich!

    

Das Erste, was mir auffiel ,als ich mit meiner großen Schwester, die als einzige in die geheimen Pläne eingeweiht war, heimfuhr war, dass es nicht hell zu werden schien. Was für ein Unterschied, Sommer und Winter, den bekommt man so sonst nie mit. Ich erwartete gutgläubig, dass die Sonne irgendwann aufgeht, stattdessen war sie bereits wieder am untergehen. Schockierend! Diese kurzen düsteren Tage haben mich innerhalb kurzer Zeit in einen Zustand der Dauermüdigkeit versetzt. Wachte ich die letzten 4 Monate mit dem Sonnenaufgang frisch und ausgeschlafen gegen 6Uhr morgens auf, hätte ich ohne zu zögern im heimischen Bett den Tag verschlafen können. Gab ja keinen Sonnenaufgang. Lag nicht mal Schnee, nur grauen Regen, der ahnungslose Sonnenanbeter in die Depression zu Locken vermochte.

    

Aber das tat meiner guten Laune nix. Familie und Tiere wurde mit Freude begrüßt, Freunde gedrückt und viele Geschichten erzählt. Dann mussten die Haare ab. Da ging kein Weg dran vorbei. Ständig verfilzt haben sie mir das Reisen doch nur erschwert. Drum wurde im Selbstversuch die Schere angepackt und schnipp schnapp war kurzerhand die Hälfte ab.




Die Weihnachtsfeiertage waren dann traditionsgemäß wie jedes Jahr sehr schön und doch ein wenig anders. Wenn man reist, öffnen sich nach einer gewissen Zeit die Augen für all die kleinen Dinge, welche man sonst nie wirklich wahr nimmt. Es hat etwas Wärmendes, die Lichterbögen in den Fenstern zu sehen, über den Weihnachtsmarkt zu gehen mit Adventsmusik im Hintergrund und die Menschen beim ergattern von Geschenken zu beobachten. Deutschland ist gegenüber diesen Traditionen sehr hingebungsvoll, muss ich sagen und es liegt eine seltene Form von Ruhe in der vorweihnachtlichen Hektik, die Keiner um sich herum mitzubekommen scheint.

    

Jedoch Daheim zu sein nach so langer Zeit erschien mir dennoch irgendwie surreal. Ich wusste im Voraus, dass die Zeit in der Heimat für mich stehen geblieben war, doch es zu erleben, war schon etwas Anderes. Es ist schön und traurig, wohltuend und doch so befremdlich. In mir hatte sich eine Welt gedreht und zu hause wartete die Welt, so wie ich sie verlassen hatte. Und in aller Freude verbarg sich ein wenig Wehmut, denn es machte es mir die Endlichkeit meiner Reise bewusst; mein Drang nach Freiheit jedoch ungebrochen.

    

Dieses ambivalente Gefühl hielt sich mehrere Tage und manch einer fragt zu Recht: Warum denn nun eigentlich Heimaturlaub? Nun Gründe gibt es viele, und doch war Keiner zwingend! Ich denke ich wollte all die Dinge die mir lieb sind nochmal bewusst erleben, bevor ich ihnen nun für so lange Zeit fern bleibe. Denn Pläne ändern sich und meiner hat genau dies getan. Ich möchte gerne ein ganzes Jahr in Australien arbeiten, bevor ich meine Reise fortsetze und auch mein geliebtes Kanada möchte ich wiedersehen und dies für weitaus länger als nur einen Kurzurlaub. Die Reise hat so viel in mir bewegt, dass ich nun weiß, dass ich meine Träume leben kann und der Traum hat noch so vieles vor in der großen weiten Welt. Im Grunde geht es eigentlich nur darum glücklich zu sein, vielleicht ist das die Antwort.

     

Somit habe ich die meine ‚Ferien‘ genossen und mal auf eine andere Art die Seele baumeln lassen. Ich habe Freunde besucht, im Kreise der Familie verweilt, mit der Katze gespielt, bin mit dem Hundi spazieren gegangen (mein liebes, altes, fast-taubes Mädchen) und gelassen durch die Zivilisation geschlendert. Auch faul auf der Couch Fernsehen gucken gehörte zum Programm und bis spät in die Nacht hinein lesen. Natürlich mussten auch praktische Dinge erledigt werden: Ich habe nochmal neu gepackt und einiges aussortiert, hier und da etwas zugefügt und Souvenirs verteilt; mich daran erfreut, dass meine Wäsche nach 4 Monaten auch mal heißes Wasser sehen durfte und normales Essen gefuttert.

    

Am Ende wurde der Aufenthalt zwangsweise sogar erweitert, um dem merkwürdigen Insektenbiss auf den Grund zu gehen, der schon seit Wochen an meinem Arm blitzt, und statt kleiner immer größer zu werden scheint. Gibt ja doch so ein-zwei Dinge an tropischen Sachen, welche man sich aufschnappen kann. Und so verbrachte ich Silvester an der Ostsee und flog kurz darauf zurück nach Südamerika.

    

'War es nun eine gute Idee oder eine schlechte?' wurde ich von einem Backpacker am Flughafen gefragt. Tja das kann ich leider nicht beantworten. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und verlässt ungern das Nest, auf dem er gerade sitzt. Als Reisen mein Alltag war, hatte ich es schwer die Heimat zu akzeptieren, nun da ich daheim war für einige Tage, war mir das Reisen wieder etwas fremder geworden und machte den Abschied nicht einfacher. Am Ende entscheidet das Herz, was es will, wir können ihm nur mit Vertrauen folgen. Und so wie mich mein Bauchgefühl zu Weihnachten nach Hause rief, geleitet es mich nun in den rauen Süden Argentiniens, nach Patagonien.

 



Damit wünsche ich allen ein gesundes und glückliches 2013, mögen eure Erlebnisse auf Reisen genauso spannend werden wie meine.