In der Embryonenstellung verharrend, habe ich nach meinem 36 Stunden Flug und viel Schlaf mich immer mehr unwohl gefühlt. Auch meine lieben Zimmergenossen aus Brasilien konnten das Mädel, was noch immer von Afrika verzaubert war, nicht aufmuntern. Tapfer bin ich aus dem Hostel in die Stadt gegangen.. Es ist wirklich ein Gebäude grauer, trauriger und zerfallener als das Andere. So eine hässliche Stadt ist mir noch nicht begegnet. Für mich wäre es eine Strafe, hier leben zu müssen. Es stinkt mörderisch nach Abgasen und die Menschen hetzen von A nach B mit straffer Mimik und ja, man versteht nur Spanisch. ;)
Ich war ein kleinwenig überfordert und hatte wenig Lust noch mehr Zeit in dieser Umgebung zu verbringen, auch wenn es wirklich schön war einen lieben Freund zu treffen und mal ein vertrautes Gesicht zu sehen.
Also habe ich mich spontan entschlossenen dem kalten Frühling in Argentinien zu entflüchten und mich nach Ecuador zu schwingen. Der Flug war schnell gefunden und ich war schneller in Quito als gedacht.
Und Quito war schon deutlich besser, auch wenn es riesig ist und auch hier die Feinstaubemission deutlich überschritten wird. Ich musste kurz schmunzeln als in einem Schaufenster ein erzgebirgischer Nussknacker zum Verkauf stand. Hihi. Dennoch, sicher fühlt man sich nicht wirklich und nachdem mein Taxifahrer fast einen Bus geküsst, knapp einen Passanten überfahren, eine rote Ampel mitgenommen und jemanden die Vorfahrt geschnitten hat, war ich überglücklich lebend im Hostel anzukommen. Auf den Straßen hier geht’s echt anders zu. Krass!
Ich habe endlich meine Reisepartnerin Silvia getroffen und nachdem wir 2 Spanischbücher gekauft haben, wurden direkt Pläne für die Reise geschmiedet, so dass wir die Stadt so schnell wie möglich hinter uns lassen. Die Nebelwälder von Mindo waren unser erstes Ziel. Mitten in den Tropen habe ich schon ein wenig vom Regenwald kennen lernen dürfen. Von Ast zu Ast haben wir uns im Canopy geschwungen und sind in einer Art Hochseilgarten über Längen von 400 Metern geflogen. Wahnsinn, was für ein Gefühl. Sogar einen Tukan haben wir gesehen.
Der Ort war sehr klein und ich habe mich direkt wohl gefühlt, vor allem als wir in einer Schokoladenfabrik unsere eigene Schokolade hergestellt haben. Die Kakaobohnen wurden geröstet und geschält, dann durch die Quetschmaschine gekurbelt und danach mit Zucker und Wasser zu Schockolade aufgekocht. Lecker!!! Hab mich auch nicht zurück gehalten, trotz dass ich vermutlich ein wenig zugenommen habe. :/
Am nächsten Tag mussten wir leider schon weiter, aber nicht ohne noch das Schmetterlingshaus besucht zu haben und eine kleine Wanderung in Angriff zu nehmen. Die Busfahrt ist schließlich lang.
Ich muss sagen so oft man auch hört, dass Südamerika einfach zu bereisen ist, so simple ist es dann doch nicht. Es stimmt dass man sehr billig von A nach B kommt. So ca 1,50 $ pro Busfahrt, aber… oft haben die Städte mehrere Busterminals und oft sind diese weit auseinander und man muss eben doch immer wieder ein Taxi nehmen und von einem Terminal zum Nächsten zu kommen und irgendwie weiß auch Keiner wirklich bescheid, wie und wann Busse wohin fahren. Das Hostelpersonal erzählt was vollkommen anderes, als ein Busfahrer und die Zentrale am Busbahnhof, sagt wieder was anderes als der Einheimische. Die Taxifahrer wollen einem stets weiß machen, dass nur sie direkt zum Zielort fahren und am Ende liest man es dann doch im Lonely Planet nach und dort stimmt es dann meistens.
Aber trotz aller Anfangsschwierigkeiten, habe ich mich so langsam auf Südamerika eingestellt. Ich fange an die Sprache so langsam zu verstehen und aus der anfänglichen Fremde ist langsam ein Reiseland für mich geworden.
So auch am Vulkan Cotopaxi und am Kratersee in Quilotoa. Beeindruckende Landschaften und doch nicht unberührt. Das waren übrigens zwei Tage, die ich nicht wiederholen möchte. Der Aufstieg zum Vulkan war die bisher schlimmste Wanderung, die ich je im Leben laufen musste. Schnee, Regen, Wind und Eis, alles gleichzeitig, eine Steigung von mehr als 45% auf einer Höhe von 4800m über dem Meeresspiegel und natürlich nur Wolken, so dass man nix sieht bei all der Anstrengung. Mein Gesicht war eingefroren, meine Klamotten klatschnass und natürlich hatten alle aus unserer Gruppe Kopfschmerzen aufgrund der Höhe. Diesen Tag streiche ich. Wir haben bis in die Nacht unsere Klamotten mit dem Föhn getrocknet.
Naja im Rückblick wars schon ziemlich lustig, aber auch nur weil aber auch alles schief gegangen ist, dass schief gehen konnte. ;)
Der Quilotoa Loop sollte besser werden. Deutlich tiefer gelegen und besseres Wetter waren schon mal ein guter Anfang, leider dafür unsere Kondition im Eimer. Silvia hatte sich einen Darmvirus eingefangen und war leicht Höhenkrank und mir ging irgendwie die Puste aus. Haben deshalb nur ein kleines Stück vom Rundgang um den See geschafft und sind dann gemütlich einen Cocatee trinken gegangen. Und ja… da war noch was. Hier in Südamerika kommt man so leicht nicht an den Touri-Ständen vorbei. Die Alpaccakleidung ist einfach nur toll. ;)
Ziemlich geschafft kehrten wir nachmittags ins Hostel zurück und haben beide ca 12 Stunden geschlafen. Reisen schafft den Körper ganz schön, vor allem im Hochgebirge. Und das Wetter fährt auch einen Berg- und Talbahnkurs. Von tropisch bis eisig und dann natürlich wie sollte es anders sein… Regen. Der Äquator ist ein Meister im Wolkenturm bauen. Drum wird die Sache jetzt etwas chilliger angegangen. Es geht nun nach Banos und danach Richtung Cuenca entlang der Anden.
Südamerika ist wirklich anders. Sehr sogar um ehrlich zu sein. Reisen in Afrika war deutlich einfacher und die Menschen sehr hilfsbereit und liebenswert ihrem Land gegenüber auch wenn sowohl Indianer als auch Spanier hier aufgeschlossen den Fremden gegenüber wirken und mehr wissen wollen über Jene, die ihr Land besuchen. In Südamerika scheint mir das Land einfach rauer zu sein und dementsprechend auch die Mentalität und die Bevölkerung selbst. Das Reisen auf dem Kontinent passt sich dem an, und ich habe nun fast 10 Tage gebraucht, das doch so andere Lebensklima zuzulassen.































