Eine doch recht lange Zeit. 100 Tage unterwegs und soviel habe ich gesehen, erlebt und gelernt, über die Fremde, andere Länder und Sitten, über das Meisterwerk Natur und auch über mich selbst, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen.
100 Tage habe ich in einem fremden Bett geschlafen, einheimisches Essen gegessen und Deutschland hinter mir gelassen. 100 Tage bin ich auf dem Globus umhergewandert, geradelt, mit Bus, Bahn und Jeep gefahren, geritten, geflogen, und gesegelt. 100 Tage lang habe ich das Leben eines Backpackers gelebt und ich dachte mir dieses Jubiläum verdient einen eigenen Post. :D
Ein Fazit nach 100 Tagen
Länder und Leute
Meine Route in 100 Tagen umfasst 35 Tage Namibia, 7 Tage Botsuana, 8 Tage Südafrika, 3 Tage Buenos Aires, 24 Tage Ecuador, 20 Tage Peru und 3 Tage Bolivien.
Die Kontinente Afrika und Südamerika sind sehr unterschiedlich, ob nun vom Reiseklima als auch von den Menschen. Sogar die Backpacker sind anders. In Afrika träumt jeder und ist sehr entspannt und die heimische Bevölkerung ist fasziniert vom Umstand, dass Fremde ihr Land bereisen. In Südamerika scheinen mir dir Menschen sehr hektisch und doch eher pragmatisch. Gerade Peru und Bolivien geben mir das Gefühl, nur am Profit interessiert zu sein. Der Tourist bringt Geld, also erleichtern wir ihm dessen, aber mögen tun wir ihn nicht. Dementsprechend wird man teils doch recht unfreundlich behandelt.
Die Natur ist ein Traum, ab dem Moment, an dem die Nationalparks beginnen. Auch wenn mich Afrika doch eher in den Bann gezogen hat mit seinen wilden Tieren und dem täglichen Sonnenuntergang im Postkartenformat, so kann Südamerika doch mit der Vielfalt der Anden und Galapagos punkten.
Bildung und Fortschritt sind eher in Afrika zu finden. Auch wenn teils überall Armut herrscht, wird Afrika doch besser gefördert und Kinder werden zur Schule geschickt, trotz dass Traditionen immer noch ihren Platz im Leben der Einheimischen haben. In der Mitte von Südamerika sucht man dies vergebens. Gerade an entlegenen Orten gibt es keinen Willen Kinder oder Erwachsene zum Lernen zu überzeugen und leider werden auch Traditionen teils von der schlechten wirtschaftlichen Lage überschattet.
Mitreisende
Der Backpacker begegnet eigentlich weniger Einheimischen, als anderen Reisenden. Wo in Afrika erstaunlicherweise viele Brasilianer und Briten anzutreffen sind, besteht Südamerika doch vorwiegend aus australischen, schweizer und französischen Backpackern. Deutsche und Schweden trifft man eigentlich in jeder Region der Erde und der Quotenbelgier ist auch in jedem Hostel anzutreffen.

Neues zu erzählen haben leider die wenigsten etwas, nimmt sich doch Jeder im Grunde eine Auszeit vom Leben. Doch ab und an trifft man doch auf interessante Personen. In Afrika mehr als in Südamerika habe ich gemerkt. Vielleicht auch weil im Grunde jeder die gleiche Tour durch den Südamerikanischen Kontinent im Kopf hat, den gleichen Reiseführer und die gleichen Ansichten und somit die gleichen Gespräche zu Stande kommen. In Afrika traf ich mehr individuell Reisende mit eigener Route, einer eigenen Art zu Reisen und stets anderen Zielen. Gerade Gleichgesinnte von anderen Volontärprojekten haben mich beeindruckt. Auch Familien mit Kindern treffe ich an, die ziemlich entspannt für ein halbes oder ganzes Jahr durch die Welt bummeln. Und in den Hostels hat man vom Jugendlichen bis zum Backpacker im Rentenalter auch alles dabei. Es scheint manchmal, als sei die ganze Welt unterwegs.
Transport
Irgendwie muss man von A nach B kommen auf Reisen. Habe ich in Afrika doch eher das Flugzeug für längere Strecken genutzt, obwohl der 4x4 Overlander mit Dachzelt vermutlich die bessere Wahl gewesen wäre, ist es in Südamerika der Bus. Ob vom Klappergestell mit Blick auf die Straße im Fußraum bis zum Luxusliner mit Schlafsitz, Internet, HD TV und Vollverpflegung, es ist alles dabei. Sogar Eisenbahn bin ich gefahren, denn zum Machu Picchu gibt es keine Straße. Und ja das liebe Boot in Galapagos, da hab ich doch tatsächlich noch am letzten Tag Kakerlaken in unserer Kabine entdeckt. Aber in Sachen Reisekomfort gewöhnt man sich sowieso an Einiges. Man sollte vor allem bei den Toiletten niemals den deutschen Standard erwarten und auch kalt Duschen kommt einem ab einem bestimmten Punkt nicht mehr unüblich vor.
Ausrüstung
Ich muss ehrlich sagen, ich bin verdammt gut ausgerüstet. Vielleicht auch zu gut, wenn ich an das Gewicht meines Rucksacks denke. ;) Aber, ohne zu übertreiben, irgendwie hab ich alles dabei, was man als Reisender so an Krimskrams braucht. Wer hätte gedacht, dass ich von der Wäscheleine in Afrika gleich Gebrauch machen muss. Ist ja ein Wäscheplatz da, aber ‚Mila‘ unser Dorfesel, fraß gerne Unterwäsche und holte regelmäßig alles von der Leine um es in den Sand zu schmeißen. Also super Sache um die Sachen drin zu trocknen. Auch den Schlafsack habe ich schon oft genutzt, die Thermounterwäsche ist mein bester Freund auf Reisen und meine Kamera ist ein Schatz den ich nie mehr hergeben möchte. :)

Es ist auch interessant, dass die Dinge im Rucksack erst jetzt so richtig einen angestammten Platz finden oder dass je öfter man packt sich immer noch ein klitzekleines bisschen mehr Platz eröffnet. Trotz, dass man eigentlich auch immer zu viel dabei zu haben scheint. Aber es geht wohl jedem Backpacker so. Zu viel von Daheim mitgenommen, was sich als nutzlos heraus stellt bzw. zu viele Souvenirs ergattert. Auch ich verfalle immer mal in den Shoppingmodus und überlege dann hinterher in welche Ecke ich das nun eigentlich noch stopfen soll.
Essen
Ich vermisse normales Essen! War das Essen in Afrika unerwarteter Weise recht gut, so krieche ich doch seit Südamerika auf dem Zahnfleisch nach etwas Geschmackvollem. Ja, ich kann von der Afrikanischen Küche schwärmen, denn so gute Wildsteaks hab ich kaum gegessen, wenn ich auch immer noch nicht hinter die Vorliebe für Kürbisse gestiegen bin. Jedoch rutscht Südamerika Stufe für Stufe die Gourmetleiter tiefer. Widerlich, was einem hier teils serviert wird. War es in Ecuador noch richtig gut, wird das Essen je südöstlicher ich Reise zum Fraß. Fad, alt, und alles frittiert. Auch in den überteuerten Supermärkten sieht es lau aus. Entweder Zuckerbomben oder Fett, selbst Müsli ist nicht genießbar. Eigentlich gar nix. Und mit jedem Keks, möchte man die Insulinspritze gleich mit bestellen. Es ist nicht zu fassen wie viel Zucker hier täglich konsumiert wird. Sogar beim Saft bestellen muss ich extra dazu sagen, dass ich keinen Zucker möchte, sonst besteht das frischgepresste Getränkt nur aus 3% Obst.

Die Nachtische sind allerdings gut, da kann ich nix sagen. Da steht Deutschland mit seinen staubtrockenen Kuchen hinten an. Die süßen Leckereien sind sowohl in Afrika und Ecuador als auch in Peru saftig lecker. Aber diese kann man halt nicht immer verspeisen. Die Hose passt jetzt schon nicht mehr. Wen wundert es, wird ja auch alles frittiert in Südamerika, von Bananen über Brötchen, zum Huhn oder Rind, selbst Salat und Reis landet teils in der Friteuse. Ich werde es wohl nie verstehen. Aber vermutlich gäbe es sonst zu viele Lebensmittelvergiftungen bei der hier observierten Hygiene im Umgang mit Fleisch. Mittlerweile bin ich zum Pizzaessen übergegangen. Man meint zumindest da kann man nix falsch machen.
Sicherheit
Reiseziele wie Afrika und Südamerika sind bei weitem keine Länder, in denen man so unbekümmert abends durch die Straßen schlendern kann wie in Deutschland, aber mit einfachen Regeln kommt man ganz gut durch den Tag. Ich habe mir angewöhnt so gut wie es eben geht, lizensierte Taxis zu nehmen, gute Busgesellschaften, die Wertsachen so zu verstauen, dass sie nicht auffallen, immer zu fragen wie es um die Sicherheit steht, wenn ich allein unterwegs bin in derzeitigen Stadtgebiet und auf mein Bauchgefühl zu hören. Klar kommt es dennoch mal zu einer Situation in der man sich verirrt, aber es gibt irgendwo immer Jemand der einem hilfsbereit zur Seite steht. Ich habe mir auch angewöhnt, nachdem ich diverse Berichte über Taxientführungen gehört habe, stets nach älteren Taxifahrern Ausschau zu halten, mich nett zu unterhalten und lieber ein teureres Taxi zu nehmen als ein billiges. Der Hintergrund ist einfach. Ist es doch nur korrupt dem Touri mehr abzuknöpfen, freut sich der Taxifahrer über seinen kleinen Gewinn, bringt mich aber ans Ziel. Ein billigerer Preis würde mir zu denken geben. Ahja, und mein kleiner Freund namens Pfefferspray ist ja auch noch dabei und wohnt in meinem Tagesrucksack. ;)

Wohnen auf Reisen
Eigentlich nimmt man alles mal mit. Ob Luxuriös in einer Lodge in Afrika oder die Holzklasseversion 'hoffentlich hol ich mir hier nix weg' auf der Isla del Sol am Titicacasee, ob Dusche warm oder kalt, mit und ohne Frühstück, mit und ohne Internet, mit und ohne Travelagency, mit und ohne netten anderen Leuten, teuer oder billig, Einzelzimmer oder Schlafsaal... Einfach alles ist dabei. Geplant wird eher nicht wo es hingeht. Zumeist kommt man in der Stadt an und schaut erstmal oder holt nach langem Suchen doch den Lonely Planet heraus. Manchmal bekommt man auch ein gutes Hostel am nächsten Zielort von der derzeitigen Bleibe empfohlen. Aber in aller Regel geht es recht entspannt vor. So gut wie jedes Hostel hat auch einen Raum für Gepäck nach dem Check Out, was sich als recht praktisch bei Tagestouren erweist, wenn abends dann der Bus geht. Im Schlafsaal braucht man meist Ohrstöpsel und hätte ich eine Schlafmaske würde ich diese auch nutzen, denn einige Backpacker wissen nicht, dass man zum Schlafen das Licht aus macht.

Allein durch die Welt
Ich reise allein. Dies hat Vor- und Nachteile. Ich kann eigentlich tun und lassen was ich will, bin aber zumeist auf Touren angewiesen und muss oft im Hostel etwas mehr zahlen, wenn der Preis nicht Bettweise sondern Raumweise erstellt wird. Manchmal ist es einsam, manchmal wohltuend Niemanden um sich zu haben. Südamerika stellt deutlich höhere Anforderungen für mich ans allein reisen, da stets die Sprachbarriere Distanz verschafft und auch die Mentalität für mich immer noch ein Hindernis darstellt, hier alles genießen zu können. Aber ich mogel mich so durch und nehme nun mittlerweile alles recht ungestresst auf. Man lernt mit sich selbst ganz gut klar zu kommen auf eine Weise, die ich immer erhofft aber nie erwartet hatte. Die Gedanken kreisen den ganzen Tag und schweifen zu Orten und Dingen, die längst im Unterbewusstsein verschwunden schienen. Es ist interessant, wie Prioritäten neu sortiert werden und wie viel man doch lernt über sich selbst und sein eigenes Wesen. Man bekommt einen anderen Blickwinkel auf Dinge, erhascht ein anderes Bild von sich selbst und es macht so viel Spaß diese Schleier zu lüften.

Im Übrigen ist der Deutsche super beliebt unter den Backpackern und Reiseländern. Alle finden unser Land schön und die Menschen lustig und ja, eben absolut organisiert. Ich muss auch zugeben, man kann selbst auch nicht aufhören deutsch zu sein, was man auch erst lernen muss zu akzeptieren. Aber wir planen eben und möchten alles in Sack und Tüten haben, bevor wir entspannen können. Somit stört es mich auch nicht mehr, ein Schmunzeln von anderen Reisenden zu bekommen, wenn ich mein Busticket eben schon im Voraus hole, die Trockenzeit meiner Wäsche vorher einkalkuliere, damit ich sie nicht nass mitnehmen muss oder eben die Tour durchs Land grob berechne mit allen Eventualitäten.
So sind wir eben erzogen, so werden wir vermutlich durchs Leben gehen. Auch dies ist ein Fakt den man egal wo man sich gerade befindet mit einbeziehen muss, wenn man ein Land erforscht. In Afrika lernen die Menschen nicht zu sparen. Vorausplanen ist nicht Teil der Erziehung. Was heute da ist, wird verbraucht, und morgen sehen wir weiter. Die Armutsschleife bleibt. Im zentralen Südamerika wurde über Generationen aus pflanzlichen und tierischen Materialen alles hergestellt, und wenn kaputt in die Umgebung geworfen, wo es zu Humus zerfiel und abgebaut wurde. Das dies mit westlichen Plastikverpackungen nicht klappt, naja, ist halt irgendwie noch nicht angekommen im Geiste.
Heimweh
Ja auch das gibt es. Es begleitet einen, mal mehr und mal weniger. Meist kommt es auf den Umstand an, ob man sich gerade wohl fühlt oder nicht. Mitten im warmen afrikanischen Busch umgeben von wilder Natur, den Geräuschen der Tiere und Blätter lauschend, verliert sich der Gedanke an die Heimat. Einsam, in einem kalten Zimmer in einem fremden Bett aufwachen, mitten in den kalten Anden, ohne irgend ein Anzeichen von Mitreisenden, nur spanisch sprechende Einheimische, die versuchen mit dem Lebensmittelinfekt zu helfen, zündet den Funke, dass Deutschland in diesem Moment irgendwie eine bessere Alternative wäre.

Und natürlich kommt es darauf an welche Erinnerungen man mit sich trägt. Ist ‚Zu Hause‘ ein Ort an den du mit einem Lächeln denkst oder wie bei Anderen nur mit Stress verbindest? Freunde, Familie und Tiere haben ihren Platz in meinem Herzen und das kleine neckische Dorf am Rande von Altenburg, umgeben von Wald, Teichen und Feldern birgt heimatliche Gefühle mit so vielen tollen Erinnerungen. Und auch dies bemerkt man erst auf Reisen, wenn der Kopf mal befreit ist von all dem Alltag und den damit verbundenen Einschränkungen.
Highlights
Kostengünstig, billig, teuer, angemessen, überteuert... Um die ganzen schönen Sachen sehen und erleben zu können, muss man doch irgendwie auch Geld ausgeben. Auf Reisen findet man so ziemlich alles und die Unterschiede verschwimmen. Dennoch sollte man genau schauen, was man mit welchem Zweck erreichen will. Beim Essen kann es ruhig manchmal billig sein. Satt wird man so ziemlich von allem. Eine Unterkunft sollte kostengünstig sein. Und Ausflüge…. Hier musste ich wirklich lernen, dass günstig auch gleich billig heißen kann und man um die guten teuren Sachen teils echt nicht herum kommt, wenn man etwas an Erfahrung und Vergnügen mitnehmen will. Ich schaue nun immer genau. Manchmal wird die günstige Tour vorgegaukelt, hat aber kaum etwas inklusive oder die Führer im Park haben keine Lizenz. Vor allem in Peru und Bolivien schießen Agenturen wie Pilze aus dem Boden und wittern das schnelle Geld.

Doch der Verstand sucht sich oft sein eigenes Vergnügen. Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie viele tolle Dinge ich gesehen habe. Man nimmt sie teils gar nicht mehr wahr. Ich finde den Umstand manchmal recht traurig, aber Urlaub und Reisen ist etwas vollkommen anderes. Es tritt ein Gewöhnungseffekt ein, neue Dinge zu sehen.
Doch dann gibt es da diese Momente, die einen unerwartet zu Tränen rühren und einem so immens beeinflussen, vielleicht weil man eben nicht damit rechnet. Für ewig bleiben diese im Gedächtnis.
Für mich gehören das Gebrüll der Löwen bei Nacht, der Tafelberg in Kapstadt, das Springen der Wale aus weiter Entfernung am Strand von Peru, die Linien von Nazca und Galapagos dazu.
Es sind eben manchmal die kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen genial und ‚naja geht so‘ aus machen. Richtige Zeit, richtiger Ort und keine Vorahnung, was da auf einen zukommen könnte. Und man steht am Rande einer World Heritage Site, sieht Wolken wie Wasserfälle über die gewaltigen Bergmassive fließen, hört den Ruf eines wilden Tieres tief im eigenen Körper vibrieren oder freut sich an der Gelassenheit einer Robbe, die im Wasser spielt.
Unglaublich... 100 Tage!
Ein langer Weg liegt hinter mir, ein Weg voller Empfehlungen und Erwartungen, welche teils erfüllt und teils enttäuscht wurden. Doch das Reisen macht Spaß, mit all seinen Hochs und Tiefs. Und auch nach 100 Tagen, freue ich mich weiter in die Welt ziehen zu dürfen. Es war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und ich hoffe, ich werde noch viel erleben.
Natürlich gibt es noch so viel mehr zu berichten. Doch dazu mehr in 100 Tagen ;)